Alle reden vom Wetter. Wir auch?

Einführung

Klima, Umwelt und Ökologie stehen aktuell ganz oben auf der politischen Agenda gerade von jungen Menschen! Welche Rolle aber spielten ökologische Fragen in der Arbeiter*innenjugend seit dem frühen 20. Jahrhundert? Wie zeigte sich der Umgang mit Klima, Umwelt, Ökologie in Theorie und Praxis? Und wie steht es um das Spannungsverhältnis von sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen damals wie heute?

Die virtuelle Ausstellung „Alle reden vom Wetter. Wir auch?“ wirft anhand ausgewählter Quellen einen Blick auf die (sozial)ökologischen Fragen der Arbeiter*innenjugend seit dem frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Natur spielte für die Arbeiter*innenjugend seit ihren Anfängen eine elementare Rolle. Bis weit in die 1950er Jahre hinein diente sie aber vor allem als Kulisse der (arbeiter)jugendbewegten Praktiken und als Ort der Autonomie. „Aus grauer Städte Mauern“, so lautete das Schlagwort vieler junger Menschen – ob aus der bürgerlichen oder der Arbeiter*innenjugendbewegung. Natur als Freizeitraum wurde zu einer Idylle und zugleich Sehnsuchtsort stilisiert und befriedigte so ein Bedürfnis nach dem Ursprünglichen, Echten, Natürlichen in der Moderne.

Wie sehr aber der Mensch (negativen) Einfluss auf die Natur nimmt, dies wird vor allem ab den 1960er Jahren sichtbar – sehr sichtbar sogar! Nicht ohne Grund forderte Willy Brandt (1913–1992) in einer Rede 1961: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ Die Auswirkungen der Industrialisierung zeigten sich aber nicht nur in den Großstädten, für die rauchende Schlote und Smog sinnbildlich stehen, sondern auch in der Landschaft. Wasser, Luft- und Lärmverschmutzung, Wald- und Artensterben, Monokulturen und Ressourcenausbeutung sind die verheerenden Folgen.

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken und die Natur zu schützen, wurde Umweltschutz auch Teil der pädagogischen Praxis in der Arbeiter*innenjugend. Schon in den 1920er Jahren waren die roten Falken auch ein wenig grün und sammelten Müll. Seit den 1980er Jahren waren es dann verschiedenste kreative Aktionen und Formate, mit denen Umweltschutz eingeübt wurde. Da wurde etwa ein Miniklärwerk in der Gruppenstunde gebastelt, Ökospiele erklärten die größeren Zusammenhänge von Umweltzerstörung und Kapitalismus, in Workshops und Wanderungen wurde die Natur entdeckt und erfahren.

Die dramatischen Effekte menschlichen Handelns auf Natur und Klima wurden immer wieder angemahnt, ob nun in Karl Marx‘ Kapital vor über 150 Jahren, im Bericht des Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“ 1972 oder von den vielen jungen Menschen, die sich heute für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Reduktion des CO2-Austoßes engagieren.

  • Der Weg durch die Ausstellung